Schielo

Blossfeldts

Geburtsort

Dorfschule Schielo
August Bloßfeldt

Schielo und Karl Blossfeldts Jugend

1865 wird der erste Sohn, Carl, von Johanna und August Bloßfeldt am Fuß des Eichenberges in Schielo geboren. Der Vater ist Gemeindediener, Kapellmeister der Dorfmusiker und Kleinlandwirt. Die Mutter ist Hausfrau und arbeitet in der Landwirtschaft mit. In diesem Jahr zählt Schielo 496 Einwohner, viele leben von der Korbmacherei. Die Region um Schielo mit seinen schieferhaltigen Böden war eine arme Region, auch die Familie Bloßfeldt gehörte nicht zu den Wohlhabenden. Carl Bloßfeldt spielte und arbeitete in der Natur und entwickelte hier seine Beobachtungsgabe und seine Liebe für die Pflanzen. Nach der Grundschule in Schielo besuchte er die sechs Kilometer entfernte Mittelschule in Harzgerode, das bedeutete jeden Tag einen Fußmarsch von 12 Kilometern.

In den Jahren um 1870 gab es in Schielo mehrere Bloßfeldts, geschrieben mit dem "ß" in der Mitte - also nicht schnell gesprochen. Diese Schreibweise legte Carl Bloßfeldt später aber ab, genauso wie er das "C" seines Vornamens durch ein "K" ersetzte.

Mägdesprung und das Eisenhütten-werk

Mit den Gründerjahren nach 1871 nahm die Industrialisierung an Fahrt auf, der auch die metallverarbeitenden Betriebe in und um Harzgerode eine steigende Produktion verdankten. Der Bauboom in den Städten verlangte nach stählernen Architekturelementen, Gaslampen und Maschinenteilen.

Die Eisenhütte Mägdesprung produzierte vor allem Eisenkunstguss.

Karl Blossfeldt trat 1881 dort eine Lehre als Modelleur an. Nach den Vorlagen der Musterzeichner erarbeitete er Gussmodelle, fertigte aber auch eigene Modelle nach Naturvorlagen  und zeigte außergewöhnliches künstlerisches Talent.  Ein Freund der Familie, Pastor Naumann, setzte sich dafür ein, dem begabten Schüler ein Studium an einer Kunstschule zu ermöglichen. Er finanzierte das erste Jahr an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums in Berlin, das weitere Studium wurde durch ein Stipendium der Dr. Otto Markwald Stiftung möglich gemacht.

Mägdesprung
Mägdesprung
Pfarrer Naumann Schielo

Karl Blossfeldt war während seiner Zeit als Dozent und Professor in Berlin gern und oft mit seiner zweiten Frau Helene in Schielo bei der Familie zu Besuch. Der Neffe von Helene, Friedrich Löchner, war mit der Nichte Karl Blossfeldts verheiratet. 

Nachdem Helene Blossfeldt 1933 der Schule in Berlin über 800 Fotoabzüge und 80 Pflanzenpräparate schenkte,

übereignet sie 1946 das restliche, in ihrem Besitz befindliche  fotografische Werk Karl Blossfeldts ihrem Neffen. Karl und Helene Blossfeldt hatten keine eigenen Nachkommen, aber immer einen sehr liebevollen Kontakt zur Familie in Schielo.

Die Wieder-entdeckung:

Ann und Jürgen Wilde

Karl Blossfeldt
Friedrich Löchner, Schielo
Fritz Loechner, Schielo

Obwohl mehrere Auflagen und Ausgaben der "Urformen der Kunst" im Wasmuth Verlag erschienen, wurde es still um Karl Blossfeldt. In den 1970er Jahren bemühten sich die Kölner Sammler, Galeristen und Fotoenthusiasten Ann und Jürgen Wilde um die Wiederentdeckung der Protagonisten der Neuen Sachlichkeit der 20er Jahre, zu denen auch Blossfeldt gehörte. Dazu mussten sie über die Staatsgrenze in die DDR fahren.

Sie erwarben schließlich von der Familie Löchner den gesamten Nachlass, der sich auf dem Dachboden befand - gestapelte Glasnegative, Abzüge und Dokumente, die Blossfeldt selbst zusammengetragen hatte.

Nach und nach erkundeten sie weitere Quellen, erwarben Dokumente und Briefe und erweiterten so das "Karl-Blossfeldt-Archiv". 1991 wurde es vom Land Nordrhein-Westfalen in die Liste der national wertvollen Archive eingetragen. 

Seit 2010 und mit Gründung der Stiftung Ann und Jürgen Wilde befindet sich die Sammlung im Besitz der Pinakothek der Moderne in München.

Die 2001 angelegte Webseite Karl-Blossfeldt-Archiv wurde in Zusammenarbeit mit der Hochschule Harz/Mediengestaltung unter Leitung von Prof. Martin Kreyssig gestaltet und bietet einen sehr ausführlichen Blick auf Leben und Werk Blossfeldts.

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Karl Blossfeldt liebte die Pflanzen und kannte sich mit ihnen aus. Er war zwar kein Botaniker, bemühte sich aber um die korrekte Bezeichnung der einzelnen Aufnahmen.

Nichts liegt näher, als sich mit einem Buch Blossfeldts auf eine Wanderung zu begeben. Man wird feststellen, dass die Pflanzenaufnahmen, die so monumental erscheinen,  winzige Details darstellen, die in der üppigen Vielfalt der Natur kaum zu entdecken sind. Blossfeldts Arbeit veranlasst uns dazu, genau hinzuschauen!

Der Freundeskreis Karl Blossfeldt lädt jedes Jahr an seinem Geburtstag, dem 13. Juni, zu einer botanischen Wanderung rund um Schielo ein. Die Jahreszeit ist dafür bestens geeignet. Die hügelige, abwechslungsreiche Landschaft hier ist sanft und an manchen Stellen noch artenreich.

 

Die Beschäftigung mit Karl Blossfeldt umfasst Natur und Kunst, Geschichte und  Technik.

So kam es auch zu einer interessanten Kooperation mit dem botanischen Arbeitskreis Nordharz unter Leitung von Dr. Hans-Ulrich Kison, dem Regionalverband Harz und dem Kultur-und Heimatbund Harzgerode.

Es war wieder einmal ein Dachboden, der Wertvolles über die Zeiten bewahrte: bei Recherche Arbeiten des Heimatbundes fand sich eine Flora von Harzgerode aus den Jahren 1881-83. Wilhelm Ebert, ein Lehrer, listete dort über 700 heimische Pflanzenarten aus der näheren Umgebung von Harzgerode auf. 

Die Verbindung zu Blossfeldt besteht in mehrfacher Hinsicht: sie waren Zeitgenossen,  Pflanzenenthusiasten und durchstreiften die Wälder um Harzgerode.

 

Die daraus entstandene Publikation "Botanische Streifzüge" wird im Sommer 2020 erscheinen und lädt zu sechs Touren rund um Harzgerode ein.

Zudem können Sie in der Heimatstube Schielo eine kleine Einführung zu Karl Blossfeldt buchen. Darüber hinaus beherbergt die Ausstellung eine Chronik  und Artefakte der Schieloer Geschichte. 

 

Buchungen und Anfragen unter:

info@karlblossfeldt-schielo.de

Karl Blossfeldt und die Pflanzen